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Samstag, 26. September 2020
ASSE II - Weiterführung als Forschungslabor für Gorleben (1978 - heute)

Offiziell wurde die ASSE II von Anfang an als Forschungsbergwerk geführt, obwohl sich die Atomwirtschaft in der 11-jährigen Betriebszeit ihrer gesamten damaligen Betriebsabfälle entledigte. Nach dem Aus für die systematische Einlagerung von Atommüll in der Asse 1978 wurde die Asse für Versuche genutzt, die die Wechselwirkung des Atommülls mit dem umgebenden Salz untersuchen sollten. Dadurch sollten grundsätzliche Erkenntnisse für die geplante spätere Einlagerung von Atommüll im Salzstock Gorleben gewonnen und so das Planfeststellungsverfahren für das Endlager in Gorleben beschleunigt werden.

Versuche ohne radioaktive Stoffe

a) In-situ-Versuche
Zwischen 1977 und 1988 verarbeitete die GSF nichtradioaktive Abfallsimulate zu Granulat und verbrachte diese aus einem Silo übertage zusammen mit Zement und Flüssigkeit (später sollten dazu tritiumhaltige Wässer aus der sog. Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente genommen werden) durch eine Förderrohrleitung in eine unterirdische Kaverne. Dort soll das Gemisch zu einem "monolithischen Block" aushärten.

b) Thermische Simulation der Streckenlagerung (mit Pollux-Behältern)
Seit September 1990 werden in zwei Versuchsstrecken Pollux-Behälter gelagert, die keinen Abfall, sondern dafür elektrische Erhitzer enthalten, die die Wärmeentwicklung des Atommülls simulieren sollen.

c) Dammbauwerke
Die Versuche mit Dammbauwerken im Salz wurden 1992 eingestellt. Die GSF hat beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einen Antrag gestellt, die Versuche weiter zu finanzieren. Die entsprechenden Kammern werden noch offen gehalten.


Versuche mit radioaktiven Stoffen            

a) Kobalt-60-Quellen
Zwischen 1983 und 1985 wurde an vier Versuchsstellen versucht, mit elektrischen Erhitzern und Kobalt-60-Quellen, die Auswirkungen von hochaktiven Abfall auf das umgebende Salz zu simulieren.

b) Versuch mit Neutronenquellen (AHE)
Die GSF hatte eine Genehmigung nach §3 StrSchV vom Bergamt Goslar vom 16.11.93 zum zeitlich befristeten Umgang mit Neutronenquellen (Californium 252). Das "aktive Handhabungsexperiment mit Neutronenquellen (AHE)" stellen FuE-Arbeiten für das Konzept der Direkten Endlagerung von Brennelementen aus Leichtwasserreaktoren dar. Der Versuch fand im zweiten Halbjahr 1994 statt und wurde im Auftrag des Bundesforschungsministeriums vom "Projektträger Entsorgung" (PTE) koordiniert, der die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (dbe), in Zusammenarbeit mit der GSF, mit der Durchführung beauftragte.


Geplante, aber nicht durchgeführte Versuche mit radioaktiven Stoffen


a) Mittelradioaktiver Müll in Bohrlöchern
Ursprünglich sollte dieser Versuch ab 1990 beginnen und Methoden entwickeln und erproben, mit denen als "mittelaktiv" bezeichnete Abfälle der oberen Aktivitätskategorie endgelagert werden können. Dazu sollten echte Abfallgebinde aus der Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe (WAK) und dem Jülicher AVR-Reaktor genommen werden. Bei diesem Versuch gab es Schwierigkeiten mit der Genehmigung, denn ein zu hoher Kernbrennstoffanteil hätte die Genehmigung nach AtG erforderlich gemacht. Das Vorhaben wurde auf Veranlassung des Forschungsministeriums Ende 1992 abgebrochen.

b) HAW-Versuch
Ursprünglich war geplant, 32 hochradioaktive Glaskokillen, die eigens für diesen Versuch in der US-Atombombenfabrik in Hanford hergestellt wurden, in der Asse versuchsweise einzulagern. Ziel wäre gewesen, Erkenntnisse über die Wirkungen von hochradioaktiven und stark wärmeentwickelnden Abfällen auf das umgebende Salz zu untersuchen. Gegen diesen Versuch gab es massive Proteste, sowohl hier, als auch in den USA. Die amerikanischen Transport- und Hafenarbeiter weigerten sich, diese Kokillen zu transportieren.
Der Antrag der GSF nach §9 AtG vom 5.3.1991 wurde am 9.2.1992 zurückgezogen.

Die Kosten dieses nicht stattgefundenen internationalen Versuches belaufen sich bisher auf 178 Mio. DM. Der deutsche Anteil beträgt 122,7 Mio. DM. Weiter beteiligt waren die Kommission der Europäischen Union mit 34,2 Mio. DM, das niederländische Stichting Energieondersoek Centrum Niederland (ECN) mit 11,3 Mio DM, das US Deparment of Energy mit 7,7 Mio. DM, die französische Agence Nationale pour la Gestion des Dechets Redioactifs (ANDRA) mit 1,3 Mio. DM und das spanische Empresa Nacional de Residuos (ENRESA) mit 8,0 Mio. DM.

Die Kokillen lagern auf dem Hanford-Areal bei Richland und sollen in einem amerikanischen Atommüllager endgelagert werden. Über die weitere Kostenbeteiligung Deutschlands an der Endlagerung wird noch verhandelt.


Sonstige Versuche           
Die Physikalisch-technische Bundesanstalt (PTB) unterhält in der ASSE II ein Untertagelabor für Dosimetrie (UDO).

Die PTB untersucht außerdem die Auswirkungen von Bestrahlungen von Lebensmitteln (Hefe).

Anfang der 90er Jahre wurden Versuche mit der Endlagerung chemischer Stoffe im kg-Bereich durchgeführt. Die Stoffe sollen nach Abschluß der Versuche aus der Schachtanlage entfernt worden sein. Eine Fortführung der Versuche ist lt. GSF wünschenswert, jedoch sei die Finanzierung (noch) nicht gegeben und außerdem Ländersache.

 
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